Viele produktionsnahe Spezialprozesse beginnen pragmatisch in Excel. Eine Tabelle hält fest, was an einer Anlage eingestellt sein muss, Makros erleichtern wiederkehrende Aufgaben. So entsteht mit der Zeit eine gewachsene Fachlösung, die einen wichtigen Produktionsprozess unterstützt. An Grenzen stößt sie, wenn die Pflege immer aufwendiger wird, die Einbindung in bestehende Systeme fehlt und sich Änderungen schwerer nachvollziehen lassen. Dann stellt sich die Frage, wie sich der Prozess modernisieren lässt, ohne die darin gewachsene Fachlogik zu verlieren.
Der Kunde
Die fischer group in Achern-Fautenbach ist Weltmarktführer für längsnahtgeschweißte Edelstahlrohre. Für die Fertigung kommen unter anderem Schweißstationen, Kalibrierer, Richtstationen, Sägen und weitere Anlagen zum Einsatz. Damit für jedes Produkt die richtigen Einstellungen an der jeweiligen Anlage verfügbar sind, müssen Parameter wie Durchmesser, Wandstärke und Werkstoff eindeutig dokumentiert sein. Diese Angaben hält die fischer group in sogenannten Maschineneinstelldatenblättern fest.
Die Herausforderung
Ausgangspunkt war eine Excel-Lösung, die sowohl als Datenbasis als auch als Formularvorlage diente. Änderte sich der Aufbau einer Anlage oder der benötigte Parametersatz, musste auch die zugehörige Formularstruktur angepasst werden.
Wurde direkt an der Maschine eine Einstellung geändert, begann ein manueller Prozess: Der Werker übertrug sämtliche Parameter samt Änderung auf ein ausgedrucktes Blankoformular. Einmal täglich sammelte ein technischer Planer die Formulare ein und übertrug die Daten von Hand zurück in die Excel-Datei.
Mit der Zeit bündelte die Excel-Lösung damit mehrere Aufgaben: Datenhaltung, Formularstruktur und fachliche Regeln, die über eigene Regelwerke und Makros abgebildet wurden. Änderungen daran bedeuteten deshalb häufig auch, die Excel-Lösung selbst anzupassen.
Auch die Suche nach bestehenden Einstellblättern war zeitaufwendig. Sie erfolgte über Parameter innerhalb der Datei und war nicht mit dem System verbunden, das die Produktion steuert. Der Änderungsverlauf wurde zusätzlich in einer eigenen Excel-Historie dokumentiert, die ebenfalls manuell gepflegt wurde. Änderungen waren zwar dokumentiert, aber weder lückenlos versioniert noch über einen systemgestützten Freigabeprozess gesteuert.
Die Lösung
Gemeinsam mit der fischer group haben wir dafür eine zentrale Webanwendung gebaut: den MEDB-Manager. Die Anwendung ist an das bestehende Unternehmens-Login angebunden. Das passende Einstellblatt lässt sich direkt aus dem MES-System im Shopfloor aufrufen. Weitere Einstellblätter können in der Anwendung gesucht werden.
Werker bearbeiten ein Einstellblatt in der Anwendung und reichen es zur Freigabe ein. Technische Planer und Administratoren prüfen, genehmigen und veröffentlichen die Änderungen in derselben Anwendung. Das tägliche Einsammeln der Papierformulare und die anschließende Übertragung in Excel entfallen. Jede Änderung wird versioniert, und der Verlauf bleibt vom Vorschlag bis zur Freigabe nachvollziehbar.
Die Formularstruktur haben wir bewusst nicht fest programmiert. Stattdessen legt die fischer group im Konfigurator Vorlagen für die gängigen Anlagentypen an, etwa für Schweißstationen, Kalibrierer und Richtstationen. Ändert sich der benötigte Parametersatz, kann die jeweilige Vorlage entsprechend angepasst werden. Unterschiedliche Anlagen- und Formularvarianten lassen sich konfigurieren, ohne die Software für jede Variante neu anpassen zu müssen. Der vorhandene Bestand an Einstellblättern wurde bereits zum ersten Release vollständig übernommen.
Zum Leistungsumfang gehören darüber hinaus
- standortübergreifende Nutzung
- Mehrsprachigkeit
- automatische Zuordnung der Verfahrensprüfnummer mit Prüfung vor der Veröffentlichung
- Übertragung eines Einstellblatts als Vorlage auf weitere Maschinen
- PDF-Export für die Ablage im Firmen-Dateisystem
- Verknüpfung von weiteren Dokumenten
Das Ergebnis

Das Ergebnis
Deutlich weniger manueller Pflegeaufwand.
Für die umgestellten Maschinen entfällt die zusätzliche Pflege der Einstelldaten in Excel.
Direkter Aufruf aus dem MES-System im Shopfloor.
Das passende Einstellblatt lässt sich von dort öffnen, ohne zusätzliche Suche in Excel.
Jede Änderung nachvollziehbar.
Version, Bearbeiter und Freigabe bleiben über den gesamten Verlauf dokumentiert und lassen sich in Audits belegen.
Änderungen durchgängig in der Anwendung.
Für die umgestellten Maschinen werden Änderungen erfasst, geprüft und freigegeben, ohne Umweg über Excel.

Was du für deinen Betrieb mitnehmen kannst
Excel ist nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn eine Datei gleichzeitig Datenbank, Formular und Regelwerk ist. Drei Fragen helfen dir einzuschätzen, ob du an diesem Punkt bist:
- Wer ändert die Datei, und wer gibt Änderungen frei? Gibt es darauf keine systemgestützte Antwort, fehlt der Prozess, nicht das Tool.
- Wie kommt die Information an die Maschine und zurück? Jede händische Übertragung ist eine Fehlerquelle und kostet täglich Zeit.
- Was passiert, wenn sich eine Anlage ändert? Muss dafür die Lösung selbst umgebaut werden, wächst der Pflegeaufwand mit jeder Variante.
Der Ansatz bei der fischer group zeigt: Die gewachsene Fachlogik muss nicht verloren gehen. Sie wandert in konfigurierbare Vorlagen, und die Software bleibt stabil, während sich die Produktion weiterentwickelt.
Steckt in deinem Betrieb auch ein Excel-Prozess, der mehr kann als er sollte?
Wir schauen uns gemeinsam mit dir an, wo eine gewachsene Lösung an ihre Grenzen stößt und wie sich die Fachlogik in eine Anwendung überführen lässt, die mit deiner Produktion mitwächst.
Was sind Maschineneinstelldaten?
Maschineneinstelldaten legen fest, wie eine Anlage für ein bestimmtes Produkt eingestellt sein muss, etwa über Durchmesser, Wandstärke und Werkstoff. Sie werden meist in Einstelldatenblättern pro Maschine dokumentiert.
Was ist der MEDB-Manager?
Der MEDB-Manager ist eine webbasierte Fachanwendung, die avenit für die fischer group entwickelt hat. Sie verwaltet Maschineneinstelldatenblätter mit Versionierung, Freigabeprozess und direktem Aufruf aus dem MES-System.
Warum Excel-Lösungen in der Produktion ablösen?
Wenn eine Excel-Datei Datenhaltung, Formular und Regelwerk zugleich ist, steigt der Pflegeaufwand mit jeder Änderung. Zudem fehlen meist Versionierung, Freigabeprozess und die Anbindung an Systeme wie das MES.
Geht die gewachsene Fachlogik bei der Ablösung verloren?
Nicht zwingend. Bei der fischer group wurden die Formulare als konfigurierbare Vorlagen je Anlagentyp abgebildet, und der vorhandene Bestand an Einstellblättern wurde zum ersten Release vollständig übernommen.
